22. Dezember 2025

Der Sehnsuchtsbaum

Roman von Holly Kennedy (1963*)

Familienroman im Umfeld des Sounds von Seattle

Wir merken bereits auf den ersten paar Seiten, dass wir hier einen Roman von einer Qualität in den Händen halten, die wir ganz weit oben ansiedeln. Jeder einzelne Satz sitzt, es wird also nicht nur geschrieben, damit die Feder halt mal in Bewegung bleibt. Diese Qualität erinnert mich an den dieses Jahr bereits von uns gelesenen Roman Das Licht zwischen den Meeren, den wir ebenfalls positiv rezensierten. Also, die Autorin Holly Kennedy versteht mit ihrem schriftstellerischen Werkzeug umzugehen. Es kommt jetzt also nur noch auf den Inhalt, also auf die Story an: ist sie interessant und vielschichtig genug, um einen Roman von ca. 350 Seiten zu rechtfertigen?

Familie
Wenn ich den Inhalt dieses buches mit einem Wort beschreiben müßte, dann würde ich sagen: zauberhaft. Holly Kennedy, die Autorin, scheint tatsächlich ein wenig zu zaubern, wenn sie uns Lesern eine (fast) ganz normale Geschichte aus dem Leben irgendeiner Famile präsentiert – mit ihren Problemen zwar – doch eigentlich ohne extravaganten Aufhänger – und uns dennoch die ganze Zeit über gefangennimmt und uns immer tiefer in die Erzählung hineinzieht. Das Hauptthema – von vorne bis hinten – ist die Familie. Man könnte das mit diesem Zitat aus dem Buch zusammenfassen:
Mrs. Coyne beugte sich ein wenig vor. »Aber soll ich dir mal was sagen, Annie? Immer wenn mich diese Stimmung überfällt, versuche ich mir ein Leben ohne meinen Mann vorzustellen, ohne Julie, Brent, Dean, und dann wird mir ganz elend zumute, und ich denke nur, o Gott, ein Leben ohne Familie? Unvorstellbar … «

Pulitzer-Preis-verdächtig
Es ist ein Buch, von dem ich annehmen würde dass die Autorin für dieses oder ähnliche Werke den Pulitzer-Preis gewinnen könnte bzw. ihn m.E. nach verdient hätte. Der Pulitzer-Preis wird in den USA verliehen für die Darstellung von “amerikanischem Leben”. Bücher und Autoren, die ich bisher mit las und die diesen Preis bekamen (z.B. John Steinbeck, Elizabeth Strout), gingen auch oft in diese Richtung. Also keine Geschichten mit einem harten Westernkerl wie John Wayne, der mit ein paar effektvollen Schüssen aus seinen rauchenden Colts die Gerechtigkeit wieder herstellt. Sondern das ganz normale Alltagsleben, das mit seinen Schwierigkeiten und Hindernissen für uns alle ja mitunter so vor sich hinplätschert, wenn man lediglich oberflächlich darüber schaut.

Mal sehen, was Claudia‘s Meinung zu dem Buch ist, die nach Lese-Beendigung des Kapitel 9 (ca.erstes Drittel) begeistert ausrief: «Das Buch gefällt mir!»

Claudias Fazit
Claudia hat natürlich ihre eigene Meinung zu dem Buch
 

Das Buch ist von Anfang an gut geschrieben. Es ist spannend, kein bißchen langweilig und einfach voller Überraschungen. Ich konnte mich so sehr in Annie einfühlen und auch in ihre Jungs und darüber hinaus auch in alle anderen Figuren. Die Schreiberin hat sich wirklich soviel ausgedacht, so dass ein “normales” Alltagsleben einer normalen Familie interessant wird, und ich bin tief berührt von dieser wunderbaren Geschichte, in der es um Liebe, Stärke und Familie geht.

Absolut lesenswert! Gerne würde ich sofort wieder ein Buch von Holly Kennedy lesen .