17. Juni 2026

Die Violinen von Saintes-Jaques

Patrick Leigh Fermor (1915-2011)

Vom Untergang einer Insel

Am Anfang taten wir uns etwas schwer, in den Stil des Autors hinein­zufinden. Claudia gab auf, ich blieb dran. Zuerst nur, wegen dem geo­lo­gischen Ort der Hand­lung: Karibik! Ich hab’s nicht bereut, wenn­gleich ich nach Abschluss des Buches dennoch konsta­tiere: ein wenig Exotik- und Karibik­be­gei­sterung sind einfach nötig.

Das Buch erschien erstmals im Jahre 1953 und handelt von Intrigen und der Dekadenz einer im Niedergang begriffenen französischen Aristokratie auf einer fiktiven französischen Antilleninsel zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Rausch des tropischen Luxus inmitten der Nachkommen von Sklaven sowie der herrschenden Oberschicht nimmt ein jähes Ende, als die Insel Saint-Jacques und alles auf ihr Befindliches und alle auf ihr Befindlichen bei einem Vulkanausbruch innerhalb von Stunden für immer im Meer verschwinden.

Diese Geschichte wird im Roman von Berthe erzählt, einer älteren französischen Dame, die als junge Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts Gouvernante bei einer aristokratischen französischen Familie auf der Insel St. Jacques gewesen war.

Meine Überlegungen
Besonders beeindruckend fand ich die Beschreibung des Vulkanausbruches und den Ablauf der Zerstörungswut der Natur selbst, die nach den für mich etwas langatmig wirkenden Geschnisse rund um die Einwohner der Insel doch sehr abrupt und mächtig auf dramatische (und vielleicht völlig übertrieben ?) auf nur wenigen Seiten des Buches stattfand. Geschah dieser Ausbruch plötzlich, kam er ohne Ankündigung? Hätten sie dies nicht kommen sehen können? – Die Zeichen waren für den Leser des Buches klar erkenntlich, doch den Insulanern fehlte allein die Demut, sie wahrzunehmen.

Kritik
Wer des Französischen nicht mächtig ist, benötigt stets ein griffbereites Wörterbuch, denn P. L. Leigh Fermor läßt seine Protagonisten hin und wieder Sätze in eben dieser Sprache sagen, ohne dass er (oder der Übersetzer) dies im Text oder einer Fußnote übersetzen.

Fazit

Wie ich oben bereits schrieb: ein wenig Exotik- und Karibik­be­gei­sterung sind einfach nötig, um bis zum Schluss durchzuhalten (obwohl das Buch nicht viele Seiten hat).

Zieht man jedoch Parallelen zur heutigen Gesellschaft hier in Europa, so könnte man Patrick Leigh Fermors Roman als Warnung vor bürgerlicher Dekadenz heranziehen, wo ebenfalls die Demut fehlt, gefeiert wird bis zum Schluss und die klaren Anzeichen der herannahenden Katastrophe ausgeblendet werden: “Es wird schon nicht so schlimm werden.”