15. November 2020

Die Fliederinsel

Roman von Sylvia Lott

Drittes Reich: Flucht auf die Insel Fünen

Es war unser erster Roman von Sylvia Lott, deren Geschichten gerne (oder immer?) am Meer spielen. Das vorliegende Buch ist dennoch etwas anders, als man es sich üblicherweise vorstellt, wenn man an (Liebes-)Romane am Meer denkt. Warum ist das so?

Die Handlung spielt während des zweiten Weltkrieges und behandelt die Flucht von Juden aus dem für sie zu gefährlich gewordenen Berlin. Das Ehepaar Ruth und Jakob Liebermann finden auf der dänischen Insel Fünen (erste) Zuflucht.

Die Problematik, mit welcher die deutschen Juden zu kämpfen hatte, zeichnete Sylvia Lott meiner Meinung nach sehr gut nach. Eine akribische Recherchearbeit der Autorin ist dem ganz sicher vorausgegangen. Die Einzelheiten der Einschränkungen, insbesondere auch der finanziellen und materiellen Beschneidung (Beraubung!), der jüdischen Bevölkerung durch den deutschen Staat dazumal ist einem im Detail gar nicht geläufig. Zum Beispiel durften Juden kein Geld ins Ausland überweisen oder mussten ihre Führerscheine und KFZ Scheine abgeben. Es gab eine “Reichsfluchtsteuer”, eine “Juden­vermögens­abgabe”, Juden durften keine Unter­haltungsstät­ten mehr besuchen (Kino, Theater, …) usw. usf.. Durch die betroffenen jüdischen Familien in diesem Buch kann man sich gut in deren damalige (beschissene) Situation einfühlen.

Doch das Buch ist kein Roman mit nur dunklem Hintergrund. Es sind durchaus jede Menge helle Töne vorhanden: Die Beschreibung der Insel Fünen, die wundervoll gemalten Bilder von Ruth, die Treffen im Haus der dänischen Schriftstellerin Karin Michaëlis, wo wir sogar den im Exil lebenden deutschen Dichter Berthold Brecht antreffen. All diese Dinge machen ein Buch aus, das in einer Reihe mit reinen Liebes- und schönbildrigen Meeres-Sommer-Strand-Romanen mindestens ein Regalbrett zu tief ausgestellt wäre.


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