16. Juli 2009

Herceg Novi – Badeort am Eingang zur Bucht von Kotor

Cleo fährt durch die Hafen­einfahrt am Ende des mit einem grünem Leucht­feuer abge­schlos­senen mächtigen Wellen­brechers. Der Berg mit der darauf errichteten Stadt liegt nun backbords. Zwischen den sich an den Hang klam­mernden Häusern ragen immer wieder grüne Palmen­wedel oder die satte Färbung der Pinien hindurch. Vor uns trotzt düster die Festung der Stadt. Auf der Steuer­bord­seite ist der Kai mit dem Hafen­meister in weißem T-Shirt, der seinen Arm in die Höhe reckt. Wir wissen jetzt, wo wir festmachen können und lassen nach guter Vertäuung unsere Cleo allein am Kai zurück.

Es ist heiß hier in der „Neuen Stadt des Herzogs“. Die Luft steht und wir haben nicht mehr viel zum Ausziehen an. Herceg Novi wurde an einen steilen Berg gebaut. Das zwingt uns ein paar Stufen nach oben zu laufen. Nein, es sind mehr als nur ein paar Stufen. Herzog Novi ist von Treppen durchzogen. Es ist vierzehn Uhr, Schatten ist an den steilen Aufstiegen zu dieser Tageszeit schwer zu finden. Und wenn doch, dann halten dort bereits Touristen inne. Mit ihren Kameras um den klebrigen Hals oder mit kraftkostenden Rucksäcken stehen sie an die Mauern gelehnt um zu schnaufen und zu verschnaufen. Mit meinem Stativ und dem Video-Filmer Equipment auf der Schulter schwitze ich ebenso wie alle hier. Mindestens. Mir fällt ein, dass ich ein Handtuch vergessen habe. Doch noch tut’s das T-Shirt: das untere Drittel ist immerhin noch nicht dunkel vom Schweiß.

 

Claudia geht es kaum besser. In ihrem Sommerkleidchen gibt sie jedoch wenigstens äußerlich eine gute Figur ab. Wir beschließen, unsere touristischen Erkundungen nicht zu dieser heißen Zeit zu fortzusetzen (wir haben ja im Grunde auch noch gar nicht damit angefangen), sondern uns einen schattigen Platz unter hoffentlich dunklen Sonnenschirmen einer Pizzeria zu suchen. Natürlich finden wir nach dieser Anstrengung eine schöne Lokalität in der Altstadt auf dem Đurkovic-Platz und erholen uns dort. Jetzt schwitzen die Kellner …

Hier geht’s zum Strand von Herceg Novi. Nicht an allen Stellen ist er so so schön wie hier. Es gibt auch noch Betonüberreste aus der Zeit des Sozialismus. Dem Badespaß der Montenegriner tut dies jedoch kaum einen Abbruch. Die Stadt liegt direkt am Fuße prächtiger historischer Ruinen. Hier ein Blick von Kanli Kula, dem Blutturm, aus der Bucht heraus zur offenen Adria.
Blick in die innere Bucht
In der Festung Forte Mare findet im Sommer ein Filmfestival statt. Blick von Forte Mare in Richtung des Inneren der Bucht Boka Kotorska.
Auf dem Kanli Kula
Auf dem Kanli Kula
 
Blick vom Kanli Kula Richtung Osten
Herzeg Novi hat vier Befestigungsanlagen aufzuweisen:
  • Die mit dem italienischen Namen benannte Forte Mare liegt direkt unten am Meer neben dem Hafen.
  • Die ehemalige Zitadelle wachte ebenfalls am Meer. Von ihr besteht heute im Wesentlichen nur noch ein Tor. Der Großteil der mächtigen Mauern hat das Erdbeben von 1979 nicht überstanden und stürzte ins Meer.
  • Die von den Türken errichtete Kanli Kula ist die größte der drei Stadtfestungen. Sie liegt an oberster Stelle der Altstadt. Im Volk hat sich für diesen die Bezeichnung Blutturm herausgebildet. Eine Version der Geschichte besagt, dass die Außenmauern der Festung durchgehend rot gefärbt gewesen sein sollen – vom Blut der abgewehrten Angreifer.
  • Spaniola, die spanische Festung. Sie liegt am höchsten am Berg, außerhalb der Altstadt. Sie wurde von den Spaniern nicht gebaut, sondern lediglich restauriert. Dennoch behielt sie den Namen Die Spanische bis zum heutigen Tag. Die Venezianer und später die Österreicher nutzten Spaniola als Gefängnis. Durch seine exponierte, sich über die Stadt erhebene Lage bietet dieses Bauwerk den umfassendsten Ausblick auf die Stadt und den äußeren Teil der Bucht.
Viele unfertige Häuser, deren Baubeginn offensichtlich bereits längere Zeit zurückliegt, stehen ungeniert Seite an Seite mit … … langsam aber ganz gewiss vor sich hin verfallenen Häusern, wie hier auf der rechten Seite im Bild sichtbar.

 

Für Skipper
 
 
Hafen von Herceg Novi: Für Gastlieger sind die Plätze direkt hinter der Mole mit Mooring, Strom und Wasser. Preis für unsere 9,30 Meter Cleo: 20 Euro + 7 Euro für Strom. Wasser kostet extra, habe ich jedoch nicht aufgefüllt. Die Boote im Hafenbecken gehören Dauerliegern und sind an Bojen befestigt. Links ist ein Schwimmbecken zu erkennen, in dem täglich der in Montenegro beliebte und beinahe schon volkssportartige Wasserball gespielt wird.

Man braucht einen gesunden Schlaf im Hafen von Herzeg Novi. Es gibt gegenüber des Anlegers garantiert immer eine Lokalität, die unglaublich laute Musik bis spät in die Nacht oder eher bis in den frühen Morgen spielt. Wir waren insgesamt drei Nächte dort. Nie war es leise. Die Gaststätten gegenüber geben sich nach irgendeiner Abstimmung anscheinend den “Staffelstab” in die Hand. Wie das die Herzeg-Noviner auf Dauer aushalten? – Ich weiß es nicht.

 

 

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