11. September 2026

Reis aus Silberschalen

Alice Ekert-Rotholz (1900-1995)

Eine deutsche Familie in den 1950ern Ostasien

Dieses Buch aus einem Bücherschrank schenkte uns 506 Seiten, bei denen wir uns auf jeden einzelnen weiteren Absatz sehr freuten. Nie sagten wir, dass wir dieses Buch hoffentlich bald “geschafft$rdquo; hätten, jede Lesestunde war ein Genuss.

Zur Autorin

Alice M. Ekert-Rotholz schrieb ihre Romane aus eigenem Erleben, ihre Bücher verkauften sich im letzten Jahrhundert wie warme Semmeln. Das bedeutet nicht, dass die Geschichten alle wirklich so passiert sind, jedoch hat die Autorin die Länder, die Menschen und die Interaktionen zwischen ihnen selbst zu genau der Zeit selbst erlebt, in der ihr Roman spielt. Sie lebte zum Beispiel von 1939 bis 1952 in Thailand. Ihre dort gesammelten Erfahrungen spürt man bei jedem Charakter, jeder Person, die sie erschafft, das fließt ein in jede der Handlungen, die das Leben der Siamesen, Chinesen etc. in ihrem Buch mit sich bringen. Es wirkt alles authentisch.

Was mir gefiel

Das Buch zog mich von der ersten Seite an in seinen Bann, die Atmosphäre des Fernen Ostens und das gesamte tropische Umfeld rissen mich sofort mit. Das mag daran liegen, dass ich die Tropen, besonders Südostasien und die Menschen dort liebe, die ich selbst freilich nur von unseren Urlauben her kenne. Oft ertappe ich mich dabei zu sagen oder denken: ‘Ja, so ähnlich verhielten sich die Einheinmḿischen im letzten Baliurlaub auch’.

Die Autorin kann das Innere von Menschen, auch von uns teils sehr verschiedenen Südosstasiaten erstaunlich gut nachfühlbar und gekonnt zu Papier bringen. In Menschen(-kenntnis) und sich daraus ergebenen gesellschaftlichen Zusammenspiel ist sie eine wahre Meisterin.

Ekert-Rotholz arbeitet die kulturellen Unterschiede (trotz allen Lächelns im Land des Lächelns) scharf heraus. Die Verschiedenartigkeit der Lebenseinstellungen der unterschiedlich sozialisierten Menschen im international belebten Bangkok der damaligen Zeit führen zu gesellschaftlichen und privaten Intrigen, die vom aufmerksamen Leser nachvollziehber verstanden werden können.

Klischees?

Wer Südostasien liebt, der wird viel Bekanntes und Vertrautes im Roman wiederfinden, dem wird dieses Buch gefallen. Das mag daran lieben, dass es Klischees gibt, die man mit Asien verbindet und die im Buch auch wiederzufinden sind. Bei diesen Klischees geht es um die Menschen und deren Lebenseinstellungen, sowohl der Asiaten als auch der Westlichen, als auch um die Häuser und Gassen sowie des Klimas und der gesamten Landschaft. Doch wer – auch heute noch – irgendwo in Südostasien aus aus dem Flugzeug steigt, findet diese Stereotype sofort schon am Flughafen und auf der Fahrt von dort ins Hotel bestätigt. Südostasien ist eben “Wunderland” :-).

Fazit

Alice Ekert-Rotholz kannte ich vor Reis in Silberschalen gar nicht, doch inzwischen stehen die nächsten drei Bücher dieser Autorin (aus dem Antiquariat) bereits wieder in meinem Bücherregal :-).

Claudias Fazit
Claudia hat natürlich ihre eigene Meinung zu dem Buch
 

Ein Familiensachicksal, dessen Erzählung in Hamburg des Jahres 1939 beginnt, als Johannes Petersen nach Bangkok reist, nachdem er sich ungünstig über das Hitlerregime geäußert hatte. Martha, seine Frau hat seine Emigration unterstützt, so dass Johannes in Bangkok von seinem Onkel Wilhelm Christian Petersen empfangen werden kann und in dessen Import-/Export-Unternehmen arbeiten kann. Der Familienplan war, dass sie ein Jahr später nach Ostasien nachfolgt. Doch Töchtern Pünktchen bekommt just zu diesem Zeitpunkt Typhus und dann machte der Weltkrieg all diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung.

Erst nach elf Jahren Trennung reist Martha mit den gemeinsamen Kindern Pünktchen (Charlotte, zehn Jahre) und Pummel (der 14-jährige Sohn Albert) nach Bangkok. Das Leben im Kriegs- und Nachkriegsdeutschland war für Martha als alleinerziehende Mutter wahrlich nicht einfach. In Ostasien beginnt für sie ein völlig anderes Leben, das ihr ebenfalls wieder Herausforderungen stellt. Martha und die Kinder müssen sich an das neue Tropenparadies gewöhnen. Es geschieht soviel …

Die Unterschiede zwischen der westlichen Welt und Ostasien sind extrem groß. Die Autorin gewährt einfühlsame Einblicke in diese Welt. In diesem Umfeld von Siamesen (Thais), Chinesen, Europäern und Amerikanern gibt es eine Reihe von Mischlingen, die durch ihre beiden unterschiedlichen Wurzeln eine innere Zerrissenheit fühlen, von den Einheimischen auch distanziert angesehen werden, dadurch große Probleme erleben.

In dieser Gemengelage, vor allem durch die unterschiedlich wirtschaftlichen Lebensweisen, entstehen viele Konflikte und es schürt Neid und führt auch zu krimineller Energie. Die Europäer, die wirtschaftlich oft erfolgreich sind, wohnen in großen Häusern und haben eine zahlreiche Dienerschaft, was wiederum zu (unterschwelligen) Problemen führt. Es wird klar, dass die Deutschen und auch die anderen Ausländer, insbesondere die Nichtasiaten, eben Gast in diesen Ländern sind und auch nur sein können.

Mein Fazit: Dieser Erstlingsroman von Ekert-Rotholz ist sehr, sehr gut geschrieben. Ihre Ausdrucksweise ist voller Poesie und jedes Kapitel mit Charme geschrieben. Das Buch bleibt bis zum Schluss spannend und emotional sehr packend.

Ein wunderbarer Schmöker! 🙂