Wer auf Bali entspannen und dem geschäftigen Treiben der Touristenorte entfliehen möchte, sollte in den Osten der Insel fahren, etwas südlich des großen Vulkanberges Gunung Agung.
Nur etwa zwei Autostunden vom Flughafen entfernt liegt Sidemen, eine authentische Gegend, die an das Ubud von früher erinnert.
Hier kann mann in aller Ruhe (Hektik wie in Denpasar etc. gibt es hier nicht) mit Blick auf die Hügel, Flüsse und Reisfelder die Sonnenuntergänge genießen.
Sidemen Rice Terrace – Wanderweg
Dies ist unser Highlight im Bezirk Sidemen, die Wanderung in den Sidemen Rice Terraces.
Sie dauert nach Angabe der Eintrittskartenverkäuferin etwa eine Stunde.
Die meisten Leute werden das schaffen, doch wir wurden mehrmals und auch recht dynamisch überholt (während wir selbst niemanden hinter uns ließen).
Wir brauchten insgesamt drei Stunden, da ist aber der Aufenthalt und die Kokosnuss im Restaurant mit dem Panoramablick auch noch mit drin.
Mit ihren üppigen, weitläufigen Reisfeldern vor der majestätischen Kulisse des Mount Agung gewähren diese Terrassen einen authentischen Einblick in die traditionelle balinesische Landwirtschaft und das effektive Subak-Bewässerungssystem.
Für uns Touristen schlängelt sich ein beliebter Wanderweg, den man auf eigene Faust erkunden kann, durch das Tal und führt oft entlang schmaler Betonstützmauern (auf denen man laufen kann) und über kleine Bewässerungsbäche.
Häufig kommen wir an arbeitenden Bauern vorüber und an traditionellen Tempeln, die mitten im Grünen liegen.
Als wir dort waren (Anfang Mai): keine Menschenmassen.
In den Sidemen Rice Terraces
Am Gembleng Wasserfall
Dieser Wasserfall ist kein großer, sondern er setzt sich aus mehreren kleineren Katarkten zusammen, bis seine Wasser eben auch einen beträchtlichen Höhenunterschied überwunden haben.
Wenn man einige der anderen Wasserfälle auf Bali gesehen hat, wirkt dieser vielleicht weniger beeindruckend.
Seine Stärke sind eben diese mehreren “Stationen”, wo der Wasserfall jeweils kleinere Pools ausgebildet hat, die gerne von Instagramm-Modellen in knappen Bikinis genutzt werden .
Er stellt für Naturliebhaber dennoch ein tolles Ausflugsziel dar.
Wer bereit ist, ein paar Stufen zu erklimmen (das ist ein wenig anstrengend, aber Bewegung ist ja gesund ), wird oben auf der Aussichtsplattform angekommen mit einem spektakulären Ausblick über das üppige Tal belohnt.
Oben gibt es auch ein Restaurant, wo uns die fast schon obligatorische Kokosnuss und ein Bier hervorragend mundeten.
Die Reisfelder “hinter” unserem Resort
Sidemen ist kein Ort, sondern es bezeichnet den gesamten Verwaltungsbezirk hier südlich des Gunung Agung.
Wir finden unser Resort «Taman Swarga Villa Resort» im Dorf Talibeng, welches von wunderschönen Reisfeldern eingerahmt wird.
Es ist für uns ein fantastischer Platz mit schönen Ausblicken, sehr ruhig, grossartigen Sonnenuntergäng;en und überall herum liegen diese herrlichen Reisfelder!
Abend im Resort
Landschaftsansicht beim «Taman Swarga Villa Resort & Spa»
Ngurah und sein Warung «Uma Aya»
Ich spazierte am Nachmittag einfach so durch die Reisfelder.
Eigentlich hielt ich die Dächeransammlung auf dem kleinen Hügel inmitten der Felder zuerst für einen weiteren Tempel und wollte gerade daran vorbeigehen, als jemand von der Mauer «Hello, come in!» rief.
– Nein, das ginge nicht, ich habe ja gar keinen Sarong dabei, nur die kurze Hose, erklärte ich.
– Dies sei kein Tempel, sondern ein Warung, war die Antwort.
Und er ließ nicht locker, so dass ich in sein abgelegenes Restaurant ging, in dem ich nun der einzige Gast war.
Wie der Flughafen, Ngurah Rai, so heißt der Inhaber, erklärte er mir, also Ngurah (sprich: Njurah).
Und er erzählte in der folgenden Stunde seine ganze Geschichte, von seiner Familie, alleinerziehende Mutter seit sein Vater so früh starb, von Armut, Kindheit, seiner Schulzeit, Schulabbruch, da er Geld verdienen wollte (er hatte bis dahin noch nie eigene Schuhe besessen).
Wie er durch eine Familienerbschaft zu dem Grundstück kam, dann Geld verdiente mit allerlei Hilfstätigkeiten und von dem geringen Salär sogar noch sparte, um sich seinen Traum zu erfüllen: ein eigenes Warung.
Auf seinem Handy zeigt er mir Fotos und Filmclips, wie er allein Baumaterial zu Fuß hier auf den Hügel heraufschleppt, die Eisenbewehrung, Steine, alles.
Auch mit dem Moped balancierte er große Lasten an seinen Bauplatz.
Davon zeugt eine lange Narbe an seiner Wade, die von einem Sturz an diesen schmalen Wegen hier herrührt.
Ngurah hat starke Schultern, kräftige Unterarme schauen aus seinem aufgekrempelten Hemd hervor, ich habe einen guten Blick dafür.
Ja, er ist ein Arbeiter, ein Schaffer, einer der sich nicht drückt.
Ich glaube ihm jedes Wort seines strebsamen und arbeitsreichen 43-jährigen Lebens.
Die Schuldentilgung hat er als genauen Plan in seinem Kopf, er wirkt sehr zuversichtlich.
Er hat es fast geschafft, wir stehen in seinem wunderschönen Restaurant das im Januar eröffnete.
Jetzt wartet er und sein Koch auf Gäste, die noch nicht reichlich sind, doch sie werden kommen. Allein schon sein Charisma wird sie herlocken.
Wenn ihr in Sidemen/Talibeng seid, besucht doch sein Restaurant.
Ich bin sicher, er wird euch ebenso unterhalten wie uns (ich war mit Claudia dann am Abend noch einmal bei ihm).
Er ist stolz auf das Erreichte. Und er kann es auch wirklich sein!
Die Dächer von Uma Aya auf dem Hügel inmitten der Reisfelder
Claudia neben Ngurah
Der Muttertempel Besakih
Als wir Sidemen Richtung Candi Dasa verlassen, wollen wir uns noch einen Abstecher nach Besakih erlauben, wo der «Muttertempel» aller Tempel Balis steht.
Diesen Tempel besucht wahrscheinlich ein jeder Bali-Urlauber mindestens ein Mal.
Für uns ist es heute das zweite Mal, denn vor 25 Jahren stand dieser Tempelkomplex selbstredend ebenfalls unserem Programm.
Der Besakih-Tempel ist der größte und wichtigste Tempel auf der Insel und gilt als religiöses Zentrum balinesischer Hindus.
Er liegt am Fuße des Berges Agung, dem höchsten Berg Balis,
Die Tempelanlage beherbergt viele Relikte aus der Megalithzeit, wie Menhire, Steinthrone und Pyramidenterrassenstrukturen.
Diese Reliquien zeigen, dass Besakih schon lange vor dem Einfluss des Hinduismus auf Bali als heiliger Ort galt.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Besakih-Tempel weiter und wurde zu einem wichtigen Zentrum religiöser Aktivitäten,
insbesondere seit dem 15. Jahrhundert, als dieser Tempel als Zentrum des Hinduismus auf Bali anerkannt wurde.
Der Besakih-Tempelkomplex umfasst 1 Zentraltempel und 18 Begleittempel, darunter den Basukian-Tempel.
Der Penataran-Agung-Tempel oder «Großer Staatstempel» ist das Zentrum dieses Komplexes und besteht aus 22 Tempeln, die sich über sechs parallel ansteigende Terrassen erstrecken.
Da die Tri Hita Karana-Philosophie in Besakih fest verankert ist, ist der Besakih-Tempel weiterhin die Seele und das Zentrum des spirituellen Lebens auf der Insel Bali.
Tri Hita Karana – Das balinesische Konzept für ein harmonisches Leben
Tri Hata als zentrale Philosophie der balinesischen Kultur betrifft folgende drei Prinzipien als die drei Quellen des Glücks:
Harmonie mit dem Göttlichen:
betont die Beziehung zwischen Menschen und dem göttlichen oder spirituellen Bereich. Es spiegelt das balinesische Engagement wider, die Götter und Vorfahren durch Rituale, Zeremonien und Opfergaben zu ehren.
Harmonie unter den Menschen:
betont eine ausgewogene Beziehung zwischen Einzelpersonen und ihren Gemeinschaften, bei denen kollektive Entscheidungsfindung und gegenseitige Unterstützung von entscheidender Bedeutung sind.
Harmonie mit der Natur:
fördert eine symbiotische Beziehung zwischen Mensch und natürlicher Umwelt und spiegelt den tiefen Respekt wider, den die Balinesen vor der Natur als lebendiger Kraft haben.
Es ist fast unmöglich, Bali zu verstehen, ohne diese drei Prinzipien kennenzulernen, die in viele Aspekte der balinesischen Kultur und der balinesischen Lebensweise verwoben sind.
Wir beide auf der ikonischen, steile Steintreppe hinauf zum Tempel
Gläubige Hindus auf dem Weg zum Teempel
Bleibt in der Liebe, haltet zueinander und pflegt eure Kontakte!
Und: passt gut auf euch auf!
Eure
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