Anfahrt auf TrogirCleo nähert sich der Stadt von Westen her. Die zuerst kaum wahrnehmbaren Umrisse des wuchtigen Kastellturms wachsen immer weiter bis wir schließlich von unserem Boot aus die gesamte prachtvolle Uferpromenade ausmachen. Die mediterranen Häuser lassen sich die Sonne auf ihre Fassaden scheinen und begrüßen unsere Einfahrt in den Kanal auf diese Weise in ihrer steinernen Stattlichkeit. Claudia ist bei diesem Anblick ganz aus dem Häuschen: „Thomas, ist das schön hier!“ Ein Pierhelfer bedeutet uns einen Platz vor einem mindestens 25 Meter langen Zweimaster unter französischer Flagge. Wie fast überall ist Cleo wieder einmal die kleinste der hier liegenden vier Segler.
Schöne Ausruhgelegeheiten
In Trogir legen wir jedoch längsseits an. Cleo kann sich also nicht, wie gewohnt, unauffällig zwischen zwei anderen Schiffen verstecken und muss so den ungehinderten Vergleich aushalten. Ihr Deck ist kaum höher als die Pier selbst, die gleichzeitig auch die Flanierpromenade der Stadt ist. Umso stolzer sind wir beiden „Adriavagabunden“, hier angelegt zu haben. Denn wohl jeder Adriasegler träumt davon, einmal an der Pier von Trogir festzumachen.
Die palmenbepflanzte Flaniermeile ist beseelt von Cafés, Restaurants und ausgestattet mit graziös geschwungenen Sitzbänken zum Ausruhen der angestrengten Füße nach einem Altstadtrundgang. Direkt gegenüber unseres Liegeplatzes lädt das Eiscafé Jadran zum Verweilen ein. Dort füllen wir unsere Kalorienspeicher mit einem Eisbecher und trinken einen Capucchino. Bedient werden wir von dem jungen Mazedonier Ejub, der nach Entdeckung meiner Video-Ausrüstung gehörig viele interessierte Fragen an uns parat hat und uns wiederum seinen beruflichen Werdegang schildert. Erstaunlich ist, dass wir hier von einem ausgebildeten Zahnarzt bedient werden, der derzeit lediglich keinen Arbeitsplatz in seinem Beruf finden kann und so bis Ende September täglich von sieben Uhr bis Mitternacht im Jadran die Eisbecher jongliert.
Überlege genau, was du dir wünscht – es könnte in Erfüllung gehen!
Von unserem Tisch im „Jadran“ messe ich die Pier mit den Augen und schaue geradewegs auf Cleo, die an dieser Stelle ihren Platz vom Pierhelfer zugewiesen bekam. Eine unglaubliche Übereinstimmung fällt mir auf:
Vor fünf Jahren waren wir zum ersten (und bis heute letzten Mal) in Kroatien und nahmen an einem organisiertem Busausflug nach Trogir teil. Exakt an der Stelle, die jetzt so stolz von unserer Cleo behauptet wird, lag damals ein riesiger Segelkatamaran, auf dessen Deck der Eigner mit geduldiger Gelassenheit die weiße Rumpfhaut seines imposanten Schiffes abspritzte. Lange beobachtete ich diesen Begünstigten: ‚Ein Glücklicher‘ dachte ich. ‚Dem ist egal, ob er zwei oder drei Tage früher oder später hier ablegt und wenn er wegfährt genießt er an anderen Orten eine schöne Zeit auf seinem Schiff. Er fährt einfach so über das Meer.‘
Ich weiß nicht wirklich, ob es sich um den Besitzer des Schiffes handelte, auch nicht, ob er tatsächlich jede Menge Zeit hatte. Doch nachdem ich schon täglich die weißen Boote in unserem Urlaubsort Baška Voda bestaunt und beneidet hatte, entstand damals genau hier an diesem Platz ein Wunsch der nachher zum Plan reifte: Mit genügend Zeit und einem Segelschiff das Meer zu befahren!
Ich schmunzle bei dieser Erinnerung und erzähle Claudia: „Wir haben den Liegeplatz des glücklichen Katamaraneigners von damals und besitzen vorrübergehend auch alle Zeit der Welt zusammen mit Cleo. Und Claudia antwortet ebenfalls schmunzelnd: „Siehst Du, darum überlege genau, was Du Dir wünschst. – Es könnte in Erfüllung gehen.“
Mit Claudia und Cleo am Platz meiner Träume – die Pier von Trogir
In der Altstadt warten viele Schmuckläden mit ihren Glanzstücken auf
Unser Altstadtbummel wird wunderschön. Wir haben – für uns fast schon natürlich – strahlenden Sonnenschein, es ist sogar etwas schwül, doch in den vielen verwinkelten und oft überdachten Gassen der Altstadt finden wir genügend Schatten. In dem Gewirr, in dem wir uns immer mal wieder an bereits begangenen Stellen wiederfinden, wartet eine große Zahl von Goldschmieden und Schmucklädchen auf Kundschaft. Auch eine Anzahl Schuhgeschäfte dürften insbesondere das Interesse der Damenwelt erwecken. Hauptmahlzeit der vorwiegend Tagestouristen scheint wohl Eis zu sein, denn ein Eisladen bietet seine süßen und fruchtig präsentierten Verlockungen neben dem Nächsten an.
Der Platz «Trg Ivana Pavla II»
Schnell haben wir auch den Hauptplatz von Trogir gefunden, den Trg Ivana Pavla II, der uns ganz besonders gefällt. Dem Stadtheiligen St. Laurentius wurde die Kathedrale Sveti Lovro auf der Nordseite des Platzes gewidmet. Bereits das romanische Eingangsportal zeugt von großer Steinmetzkunst des einheimischen Meisters Radovan (um 1240). Das Palais Cipeko gegenüber wurde für eine reiche venezianische Familie gebaut und auf der Südseite des Platzes lockert eine luftige Loggia das Bild auf, die vor allem als Gerichtssaal gedient hatte. In der Mitte des Platzes befinden sich – na, nun ratet einmal: Sitzgelegenheiten für den Genuss eines Kaffees oder eines erfrischenden Eisbechers.
Gemütliche Ecken in den Gassen der Altstadt
Am südwestlichen Ende der von Wasser umschlossenen Altstadt sind noch große Teile der Festung Kamerlengo erhalten. Diese Festung kann man besteigen und von den mächtigen Mauern einen großartigen Ausblick auf die Altstadt und auch den neueren Stadtteil auf der Seite der Ciovo-Insel genießen.
Die Schwüle des Tages führt in der Nacht zu einem mehrere Stunden andauernden Gewitter. Durch unsere Luke lodern immer greller zuckende Blitze auf, das Wasser im Trogirski Kanal scheint gleichzeitig in mehrere verschiedene Richtungen durchzurollen und Cleo zerrt an ihren Leinen und scheint sich aufzubäumen in ihrer Fesselung. Die Bugklampe stöhnt unter der Belastung, so dass ich Erbarmen haben muss und hinauslaufe, um zusätzlich eine Leine mit Gummipuffer anzubringen und die aktuelle Leine ein wenig lockere. Cleo dankt uns diese Wohltat mit weniger Jammern von ihrem Bug, sie ruckt nicht mehr so harrt an ihren Fesseln und lässt uns jetzt wenigstens noch etwas dieser nicht mehr allzu langen Nacht.
Ankerplatz Mala Luka an der kleinen Insel Drvenik Veli: Als nahes „Sprungbrett“ nach Trogir lagen wir eine Nacht vor Anker. Es handelt sich um eine Doppelbucht. Der nördlichere Arm hat Platz für etwa fünf bis sieben Yachten. Ankertiefe sieben bis 10 Meter. Wir lagen im kleinen südlicheren Buchtarm auf fünf Meter Ankertiefe. Neben uns hätte keiner mehr ankern können (Schwojekreis). Witzig: bei der Ansteuerung der Bucht aus Westen kommt man an dem Inselchen Malta vorbei. Malta dichtbesiedelt? – Weit gefehlt. Völlig unbewohnt !
Trogir: An der Pier bezahlten wir pro Nacht mit Wasser und Strom für 9 Meter Schiff 135 Kuna. Ein Helfer weist ein und nimmt die Leinen entgegen. Es ist nicht unbedingt ruhig, da an der Pier Publikumsbetrieb bis mindestens 24 Uhr herrscht. Sanitär gibt's nicht. Direkt gegenüber, erreichbar über die Brücke, befindet sich die ACI-Marina. Ob man da duschen könnte? – Wir haben es nicht probiert.