20. Mai 2009

Auf der Insel Pag

Kurz nach Tagesanbruch steuert unsere Cleo von Silba aus Richtung Ost zur Insel Pag. Bei der Annäherung an die Insel stellen wir im Gegensatz zu den bisher besuchten Inseln eine große Kargheit fest: es ist fast kein Bewuchs mit Ausnahme von vereinzelten, einsamen Machhiabüschen zu finden. Wir laufen in die tiefe und schmale Bucht der ACI Marina Šimuni ein. An den kargen Hängen rechts der Bucht grasen in den von aufgeschichteten Steinmauern umgebenen Arealen kleine Wollbüschel, die sich langsam vorwärts bewegen. Die fast nackten Felsberge scheinen typisch für ganz Pag zu sein. In der Tat haben wir das Gefühl, gerade heute und hier wechselt auch das Wetter zum Trockeneren und Heißeren und unserer Adriasommer beginnt.

Abendspaziergang mit Claudia und Kamera

Abendspaziergang mit Claudia: auf unsere Bitte an den kroatischen „Fotografen“, den Apparat hochkant zu nehmen, witzelten seine Tischgenossen, er würde ihn falsch herum halten und wir somit „Kopf stehen“. Wie Ihr aber seht: er hat richtig herum gehalten …

Gegen Abend spazieren wir die Strasse in Richtung des Ortes Šimuni, wo uns unerwartet ein lautes Hupkonzert verfolgt. Ist heute ein wichtiges Fußballspiel gewonnen worden? Wir schauen die Strasse zurück in Richtung des glücklichen Lärmes und es erscheint oben am Hügel das erste blumenbekränzte Fahrzeug eines Autokorsos, welchem direkt eine große weiße Limousine mit Bergen von Blumen und Hochzeitsschleiern folgt. Der Weg des Korsos führt an uns vorbei, die Hochzeitsgäste haben die Seitenfenster heruntergekurbelt und jubeln uns fröhlich winkend zu. Ganz besonders, da sie mich mit meiner Filmkamera sehen und mich möglicherweise für einen beauftragten Hochzeitsfilmer halten. Sie wissen ja nicht, dass gerade in diesem Moment der Akku meiner Videokamera schlappgemacht hat. Zu dumm auch. Doch mir gefällt, wie sie mir so ausgelassen lachend zuwinken und ich halte die nun „blinde“ Kamera einfach weiter auf den Korso gerichtet . Wir wissen nicht mehr, wie viele PKW’s hupend an uns vorbeirollen. Weit mehr als fünfzig sind es wahrscheinlich. Wow, welch eine lange Hochzeitstafel wird es da wohl geben!

Am nächsten Tag nimmt Cleo frisches Wasser und Lebensmittel auf, dann werden die Leinen eingeholt und das Schiff setzt bei günstigen Winden seine Reise Richtung Süden und somit Dalmatien fort.

 

Claudias Fazit
  Heute ist Sonntag und wir sitzen am Vormittag gemütlich an Deck und schreiben beide unsere Reiseerlebnisse. Nachdem jetzt die erste Woche vorüber ist bin ich mehr als zufrieden. Die Stunden auf See, mit oder ohne Segel, habe ich alle sehr genossen. Das Revier hier in Kroatien, im Moment noch die Kvarner Bucht, ist wie geschaffen für uns, um Erfahrungen zu sammeln. Ich habe das Gefühl, die Adria gehöre uns allein. Noch ist alles fast einsam und still, wir sehen kaum Schiffe auf dem Meer. Und an Land sind ebenfalls noch wenige Touristen. Das Wetter ist traumhaft schön und laut Wetterbericht wird es so bleiben. Super!

Nach den vielen Vorbereitungen zu Hause und nur wenig Zeit für uns freue ich mich jetzt besonders auf die Zweisamkeit. Im Moment breitet sich eine wohlige Wärme in meinem Herzen aus und ich bin glücklich, dass ich die vielen Erlebnisse und Eindrücke mit meinem Thomas teilen darf.

 

Für Skipper
 
Wegen des Windes aus Ost bzw. Südost steuerten wir auf dem Weg von Silba nach Šimuni nicht die kürzeste Strecke zwischen den beiden vorgelagerten Inseln Škrda und Maun hindurch, sondern fuhren nördlich um Škrda herum. Auf diese Weise konnten wir unter Segeln in den Maunski Kanal bis fast auf Höhe des Pager Ortes Mandres segeln. Zwischen den Inseln (Olipski Kanal und Pohlipski Kanal) beobachtete ich eine recht spürbare Strömung, die uns nach Norden versetzte. Wir legten 18 Seemeilen zurück. Da in Silba kein Hafenmeisteramt etc. sichtbar war, sich auch niemand um uns kümmerte und wir am Morgen bereits um 7:30 Uhr ausliefen, kann ich nichts zu den möglichen Liegekosten in Silba Ost sagen (keine sanitären Anlagen etc.). Ist mir auch lieber so .

In der ACI Marina Šimuni gibt es leider keine Tankstelle. Ein Internetcafé oder WLAN fehlen ebenso, was ich nach der tollen Eigenwerbung (ACI gestaltet sehr schöne Prospekte) für die ACI Marinas eigentlich erwartet hatte. Jedoch werden wir von einem hilfsbereiten Marinero eingewiesen, der unsere Achterleinen festmacht und uns die Mooringleine reicht. Mit unseren Papieren verschwindet er auf seinem Fahrrad in Richtung Büro, von wo wir uns die Papiere später gegen die Liegegebühr von 40 Euro und der Kurtaxe von 1,40 Euro auslösen können (haben wir auch in Euro bezahlt, nicht Kuna).

Claudias Frage nach dem Wetter löste im Marinabüro etwas Hektik aus. Die freundliche Dame suchte fieberhaft im Internet nach den Wetterdaten, händigte Claudia dann jedoch einen ordentlichen Ausdruck der Wetterprognose für die kommende Woche aus.