Teneriffa: Besuch beim Teide

– Vierter Tag –
Der Besuch des höchsten Berges Spaniens (3.718 Meter), des Schichtvulkans Teide, zählt zu den Höhepunkten eines Besuchs auf Teneriffa (). Ja sicher, es ist “nur” ein Berg, doch seine Form, die umliegenden Steinformationen, die Vegetation (oder deren Fehlen) mit all den Farben der Steine und des Staubs faszinierten uns und auch alle anderen Besucher dieses Riesen.

Schon auf dem Weg zu ihm, entlang einer gewundenen Straße durch das Orotava-Tal, eröffnen sich ständig neue Ausblicke (wir kamen von Puerto de la Cruz). Wer das Orotava-Tal kennt weiß, dass man von dort oft nicht die Spitze des Teide sehen kann, weil Wolken dazwischen liegen. Doch schnell geht es auf der Straße bergan und plötzlich stehen wir “über den Dingen”: eine weiß strahlende Wolkenschicht liegt unter uns. Von hier ab war die Sicht nur noch eines: sonnig und klar.

Plötzlich stehen wir “über den Dingen”: eine weiß strahlende Wolkenschicht liegt unter uns.
Mit der Drahtseilbahn überwinden wir in nur acht Minuten die letzten 1.200 Höhenmeter bis 260 Meter unter den Gipfel des Riesenberges … … und wandern dann einen Weg entlang, der an der Flanke des Teide entlangführt …
… wo die Felsen links und rechts unterschiedliche Farben annehmen, manchmal grün bis gelb vom Schwefel …
… bis zum Aussichtspunkt, von wo aus man den eindrucksvollen Kratertrichter des Nebenvulkans Pico Viejo sehr gut sehen kann.

Sicher macht es sich wieder bemerkbar, dass auf den Kanaren im Juni keine Hochsaison ist. Jedenfalls kommen wir gegen 10:00 Uhr an der Talstation der Seilbahn an und müssen nach Kauf der Fahrkarten (25,- Euro pro Nase, Betriebszeit ist von 9:00 bis 17:00 Uhr) nicht mehr lange warten. Sogar einen guten Parkplatz haben wir noch erwischt.

Oben angelangt kann man einen Weg links oder rechts der Seilbahnstation entlanglaufen. Wir entscheiden uns für den “rechten Weg” . Es geht zur Westseite mit Blick auf den Krater des El Viejo und über die Westseite Teneriffas. Stellenweise riecht es nach verfaulten Eiern, Schwefeldunst kriecht in unsere Nasen. Trotz gemächlichen Schrittes wird uns hier auf etwa 3.600 Metern die Luft knapp, fast wie beim Joggen. Die Höhenluft ist dünn. Wir verstehen jetzt das Schild an der Talstation: Herzkranke Personen werden nicht befördert. Einer alten Frau wird hier oben schon nach wenigen Schritten schwindelig, sie jappst nach Luft und muss gestützt werden. Angesichts dieser Anstrengung wachsen die Leistungen Messners und anderer Bergbesteiger in meinem Kopf ins Gigantische. Die waren alle in noch viel, viel höheren Sphären unterwegs! Und länger. Denn wir erreichen schon nach fünfzehn Minuten das Ende des Weges mit Blick zum Vulkankegel Pico Viejo, ein älterer Nachbar des Pico del Teide.

 

Man könnte auch noch bis ganz auf den Gipfel des Teide steigen, doch nur nach Voranmeldung (Genehmigung im Internet oder im Büro der Nationalparkverwaltung in Santa Cruz de Tenerife, Calle Emilio Calzadilla 5). Nur eine bestimmte Anzahl Wanderer dürfen dies pro Tag. Auch bestimmte andere Touren hier oben dürfen nur mit Voranmeldung absolviert werden. Die “Schäfchen” werden nach Zielankunft auch wieder gezählt, denn wer hier oben (verletzt) liegen bleibt hat keine gemütliche warme Nacht vor sich.

Etwa 900 Meter unter dem Gipfel des Teide verläuft um den Berg herum die Ebene der Caldera, die hier den Namen Las Cañadas trägt. Rund 3,5 Kilometer südlich der Talstation von der Teide-Seilbahn, an der Landstraße TF-21, befinden sich die Roques de García, ein eigenartiges Ensemble vielfarbiger Felsnadeln. Einige sind nicht wegerodierte Vulkanschlotfüllungen. Der markanteste Felsen heißt Roque Chinchado (“Steinerner Baum”).

“Unseren” Alexander Humboldt verehren die Tinerfeños sehr. Sie haben ihm 2010 gar ein bronzenes Denkmal gebaut, am Mirador Humboldt bei La Orotava, wo er über das Orotavatal schaut (). Von dieser Landschaft zeigte sich der junge Forscher tief beeindruckt, der hier 1799 auf seinem Weg nach Südamerika halt machte. Sein Weg führt ihn auch entlang der Nordküste über La Orotava hoch bis zum Vulkangipfel des Teide. In seinen Tagebüchern vermerkt er, dass das Orotava-Tal eines der schönsten Täler sei, die er jemals sah. Ganz klar, dass die Bewohner ihn schon allein dafür ins Herz geschlossen haben. Und die Besucher der Insel werden ihm wahrscheinlich genauso recht geben.