Lanzarote: Höllenpark, Kamelritt und Weinprobe

– Fünfter Tag –
Im 18. Jahrhundert krachte, donnernde und spuckte es gewaltig auf der Kanareninsel Lanzarote. Glühende Lavamassen wälzten sich sechs Jahre lang hangabwärts, hinab an über 30 Vulkanbergen, die ebenfalls gerade entstanden. Dörfer wurden komplett begraben. Die Bewohner konnten sich jedoch noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Diese Montañas del Fuego, die Feuerberge, bilden heute den Nationalpark Timanfaya.

Auf dem Weg dorthin passiert man das Vorzeigedorf Yaiza. Ein Vorzeige-Musterdorf deshalb, weil sich die Farbgebung der Häuser 100%ig an die Traditionsfarben Lanzarotes hält: weiße Fassaden, grüne Türen und Fenster. Das Dorf wurde schon zweimal zum schönsten Dorf Spaniens gekürt. Das Nachbardorf Uga folgt dieser Tradition ebenso. In Uga wohnen dazu noch ungewöhnliche Angestellte der Tourismusbranche, die ihren buckligen Rücken in den Dienst der Touristen stellen: eine Kamelkarawane. Diese Kamele traben jeden Morgen ebenso an den Rand des Timanfaya Nationalparks und sorgen für den Spaß der Hobbyreiter. Diese Freude gönnen wir uns später auch noch, doch erst wollen wir die Hinterlassenschaften des letzten großen (oberirdischen) kanarischen Vulkanausbruchs sehen!

Herrlich bepflanzter Verkehrskreisel unmittelbar vor dem Ort Yaiza

Den bei den dramatischen Vulkanausbrüchen 1730-1736 entstandenen Parque Nacional de Timanfaya kann man durch zwei mit Teufelssymbolen gekennzeichneten Eingänge betreten (bzw. man fährt mit dem PKW an einer Kasse vorbei) und gelangt schließlich auf den Parkplatz Islote de Hilario, wo man eingewiesen wird. Dort finden wir auch das Restaurant El Diablo, wo die Speisen über der natürlichen Hitze aus dem vulkanischen Inneren der Erde gegart werden. Probiert ein Steak und ihr wisst dann, wie ein “Teufelsbraten” schmeckt .

Neben dem Restaurant demonstrieren Führer die Hitze der Erde: Nur etwa zehn Zentimeter unter der Erdoberfläche ist der lose Lavakies vor Hitze nicht lange in den Handflächen zu halten und trockene Zweige fangen in ein Erdloch gehalten sofort Feuer. Ebenso spuckt die Vulkankruste in den Boden eingeleitetes Wasser geysirartig kochend heiß wieder zurück.

In den orangefarbenen Bussen fahren wir vom Parkplatz aus fünfundvierzig Minuten lang durch das Gebiet mit den aschefarbenen Vulkanschloten, welches nicht zu Fuß betreten werden darf. Oh doch – es gibt geführte Wanderungen, zu denen man sich schon einige Tage und Wochen (Hochsaison!) vorher anmelden muss. Wir nahmen an einer derartigen Wanderung nicht teil.

15:00 Uhr zeigt der Chronometer, als wir anschließend an der Kamelstation Echadore de los Camellos ankommen (die Station liegt wieder in Richtung Yaiza). Als besonders bequem erweisen sich die schaukelnden Geduldstiere nicht gerade, das fängt schon beim Erheben ihrer Körper an. Nach diesem Wippen und Schaukeln weiß man dann wenigstens, warum die Sitze links und rechts des Höckers genauso sicher wie Gondeln eines Kettenkarussels verschlossen werden. Dann wackeln die hohen Dromedare an einer Schnur aufgereiht mit uns über den Vulkanboden, den Kopf mit den beiden runden Ohren immer stolz erhoben vor uns Passagieren her tragend. Dieses Erlebnis sollte man sich durchaus gönnen. Mit der Hand läßt sich das hinter uns trabende Kamel gerne streicheln, das seinen Kopf immer wieder am Hinterteil unseres Kamels vorbeischiebt. Bisse muss man nicht befürchten, denn die Wüstenschiffe sind allesamt mit Maulkörben ausgerüstet.

Die Kamelführer stammen aus Marokko. Die Kamele ursprünglich auch – zumindest deren Vorfahren.

 

Lasst uns nach diesem Ausritt etwas zu uns nehmen, auf das wir schon lange gewartet haben. Ich meine den Wein, der auf dieser dunklen Vulkanerde gedeiht. Es ist besonders der honigfarbene Malvasia, der einen Berühmtheitsgrad erlangte. Er gedeiht in den trichterförmigen Vertiefungen, die mit einer etwa zehn Zentimeter dicken Schicht Lapilli (kleine Lavasteinchen) als Schutz vor Austrocknung bedeckt ist. Darunter befindet sich der eingefüllte Mutterboden.

Für eine Weinprobe gibt es mehrre Gehöfte zur Auswahl. Manche sind so riesig, dass auf deren Parkplatz Touristenbusse stehen können. Wir suchen uns ein mittleres Weingut aus, «Bodega Rubicón», und wir sind mit der Wahl sehr zufrieden. Die Ausstellungsräume sind reichlich, die ”Exponate“ ebenso und sie munden außerordentlich. Zudem haben wir das Glück, die Weinbäuerin (oder eine Angestellte?) für uns zu allein haben.

Eindeutiges Zeichen von der Straße aus erkennbar: hier kann Wein erworben (und probiert) werden! In dieser Trichterlandschaft gedeiht der Wein. Vergleicht dieses Bild einmal in Gedanken mit den Reihen von Weinreben in Rheinhessen 🙂