Gran Canaria: Im Barranco de Agaete und Puerto de las Nieves

– Siebenter Tag –
Panoramablick hinein in ein Tal mit hoch aufragenden grünen Bergwänden
Eingebettet zwischen fjordartigen Bergschluchten präsentiert sich der Barranco de Agaete grün und erinnert uns an Südsee-Bilder, die wir bisher freilich nur aus Bildbänden und Filmen kennen.
Gegen zehn Uhr gelangen wir in den Ort Agaete an der nordwestlichen Ecke der Insel (sofern man die Insel als eckig betrachtet ). Von hier aus gibt es mindestens zwei Richtungen, deren Ziel lohnend erscheint: hinein in den Barranco El Valle oder zum Hafen von Agaete, der sich Puerto de las Nieves nennt. Der Hafen liegt Richtung Westen, also wird die Sonne heute Abend von dort aus gut sichtbar ins Meer “fallen”. Diesen verheißungsvolen Anblick heben wir uns also auf und folgen dem Wegweiser in den Barranco.

Zuvor wollen wir den Garten der Blumen, Huerto de las Flores, in Agaete () besuchen, doch der öffnet erst am Nachmittag, wie wir feststellen. Eine Nebentür in der Mauer ist nur leicht angelehnt und so treten wir ein. Es soll ja ein Blühen und Gedeihen sein hier im Garten, die exotischsten Früchte, wie zum Beispiel ein südamerikanischer Eierbaum mit seinen avocadoähnlichen Früchten, wachsen hier. Irgendwo hören wir den Gärtner herumwerkeln und verlassen das Gelände wieder, bevor wir noch unseren Rundgang beginnen. Uns ist nicht ganz wohl, sind wir doch “Schwarzbesucher”.

Im Agaete-Tal El Valle wächst Europas einziger Kaffee. Auf der Straße fahren wir bequem hinein und unsere Augen erblicken sattgrüne steile Hänge, Palme, Kakteen ohne Zahl und rot- oder orange leuchtende Bougainvillas. “So muß es in der Südsee aussehen.” hält Claudia fest und meint damit meinen noch offenen Traum von dieser fernen Region. Ich glaube ihr das sofort. Wollte man einen Jack London oder ein Südsee Abenteuer von R.L.Stevenson verfilmen, dann würde bestimmt niemand bemerken, wenn man die Aussenaufnahmen an dieser Stelle drehte. Ich packe mein Stativ aus und drehe was das Zeug hält.

 

Avocadofrucht am Baum Zitrone am Baum
Die fruchtbaren Böden bringen mannigfaltige Früchte hervor. Hier eine Avocado und Zitrone.

Bis Los Berrazales fahren wir noch, blicken von dort oben in das ”Südsee-Tal” und verspeisen unsere Frühstücksbrote, die wir uns heute Morgen beim Frühstück aus dem Hotel stibitzt hatten. Es ist immerhin schon wieder halb zwölf, die Zeit ist wirklich relativ (schnell), wie Einstein schon wußte.

Auf dem Rückweg laufen wir noch einige schmale Pfade vorbei an Gärten mit allerlei Früchten. Im Dorf San Pedro spazieren wir entlang der schmalen und steilen Wege und Treppen. ”Gassen“ kann man die am Berg verwinkelten schmalen Pfade schon nicht mehr nennen. Ein kurzer Regenschauer erwischt uns, der nach bereits fünf Minuten weiterzieht. In einer Telefonzelle fanden wir solange Unterschlupf.

Spritzende, an Felsen klatschende Brandung
Das Meer erreichen wir wieder bei Puerto de Las Nieves, wo ein Meeresschwimmbad ein gefahrloses Bad neben wild schäumender Brandung des Atlantiks möglich macht.
Tiefblaue Meeresbucht mit vielen roten Blüten im Vordergrund   Denkmal
Die Bucht nördlich von Puerto de Las Nieves. Oberhalb dieser Bucht wurde das Hotel Roco Negro errichtet. In Bronze verewigt grüßen die Herren Poeten von Agaete das Meer (Tomás Morales, Alonso Quesada und Saulo Torón).

Wir erreichen die Bucht Punta de Tunas etwas nördlich vom Hafen Puerto de las Nieves und finden ein Meeresschwimmbad, über dem hochoben ein paar Ferienhäuser und das große Hotel Roca Negra thront. Die Bucht ist ein Hingucker, das Meer klatscht spritzend und sprühend Beifall, während man gefahrlos in dem halb künstlich, halb natürlichen Becken durch das Salzwasser schwimmen kann. Zum Hotel kommt man übrigens leicht über einen betonierten Weg mit Treppen. Ein Käffchen mit Blick von oben ist ja auch nicht zu verachten. Wir machen das zumindest immer so .

Auf sehr gut befestigtem Fußweg Paseo de las Poetas (deshalb das Denkmal mit den Dichtern, siehe Foto) gelangen wir endlich nach Puerto de las Nieves, wo auch heute noch mit dem “Finger Gottes” (Dedo de Dios) geworben wird. Der erhobene Zeigefinger aus Fels wies einst in der Bucht vor dem Hafen mahnend in den Himmel, doch bei dem Tropensturm Delta im Jahre 2005 brach das seltsam schmale Gebilde ab und ist faktisch nicht mehr sichtbar. Man könnte meinen, dieser Vorfall entziehe dem Ort mit seinen Geschäften und Tavernen die Geschäftsgrundlage, doch nein: ungeachtet dessen nennt sich das Restaurant am Ende der Bucht weiterhin Restaurante Dedo de Dios. Und ich sage dem Leser dieser Zeilen: verweile ruhig einige Zeit in dem Ort, am besten am Abend, und du wirst wie wir bemerken, dass Puerto de las Nieves den nun abgebrochenen Finger zur Hebung der touristischen Attraktivität gar nicht bedarf. Doch siehe selbst, klicke auf das Foto unterhalb dieses Textes und schaue weitere stimmungsvolle Bilder an.

Abenstimmung im Hafen mit anlegender Fähre “Fred Olsen”

Fischplatte mit mehreren Sorten gegrillten Fisch
Stopp! Bevor ihr weiterblättert: vergesst nicht, in Puerto de las Nieves eines der Fischrestaurants zu besuchen. Wir aßen bei El Cápita zu Abend, eine gemischte Fischplatte mit fünf Sorten Fisch, Kartoffeln, Reis und Gemüse. Es war durchweg frischester Fisch und so viel, dass wir beim allerbesten Willen und unter Aufbietung aller Kräfte doch nicht alles aufessen konnten. Das war der einzige Nachteil bei dem ganzen Essen. Wir tranken zwei Gläser Rotwein und Wasser dazu – alles zusammen blieb unter 35,- Euro (kein Witz!).