Lanzarote: Tiagua, Lapillilandschaft, Stachelgewächse und Salinen

– Vierter Tag –
Bäuerlich beginnt der heutige Tag. Am Morgen rollt unser Mietwagen Richtung Westen, wo auf Feldern Wassermelonen und Kürbisse angebaut werden. Als wir das Dorf Tiagua erreichen, blitzt von weitem das rote Spitzdach der flügellosen Windmühle auf, deren Inneres allerdings restauriert ist. Denn der Müllerarbeitsplatz reiht sich in das weitläufiges liebevoll gepflegtes Freilichtmuseum Museo Agrícola El Patio ein. Früher war es wohl einmal ein Herrensitz, heute stellt es den ländlichen Alltag dar. Werkzeuge, Fotos, Tiere, Pflanzen – unter anderem das großwüchsige Natternkopfgewächs, dazu eine Bodega mit lohnenswerter Weinauswahl.

Im Museo Agrícola El Patio von Tigua

Lapilli nennt man die erbsen- bis nussgroße Vulkanasche. Auf dem Wege entlang der LZ10 von Tiagua nach Teguize finden sich interessante “Fels-”Formationen, die hauptsächlich aus diesem Material bestehen. Dieser Rohstoff wird hier mit Baggern abgebaut und in der Landwirtschaft als Deckschicht genutzt, um die bekannte Hydro-Funktionsschicht zu erhalten (siehe auch Die schwärzeste Seite der Insel).

Diese ziemlich weichen Formationen aus gepresstem Lapilli geben der Landschaft im Inselzentrum einen besonderen Touch, oder nicht?

Lasst euch doch mal ein wenig pieksen ! Denn wir treffen um halb drei am Jardin de Cactus in Guatiza ein, von dem ihr sicher auch schon gehört habt. Es ist ein weiteres Werk von Lanzarotes Künstler César Manrique, der damit eine der meistbesuchtesten Attraktionen der Insel schuf. Diese stachelige Pflanzenansammlung blieb sein letzter Landschaftsgarten. Etwa 1.500 verschiedene Arten umfasst diese reiche Sukkulentenheimat. Über allem thront eine restaurierte Gofiomühle, von wo der Ausblick über teils blühende Opuntien bis nach Mala reicht.

Jardin de Cactus – für Freunde der stacheligen Pflanzenfamilie eine Offenbarung.

Salzgewinnung auf Lanzarote in den Salinas de Janubio: Es dauert etwa vier Wochen, bis das Wasser verdunstet ist und nur das Salz liegen bleibt. Früher wurde es zur Haltbarmachung von Fleisch durch Einpökeln benötigt, doch heute gibt es Gefrier- und Kühlschränke. Deswegen verlor die Salzgewinnung hier an der lanzerotischen Westküste stark an Bedeutung. Unter Feinschmeckern gilt das Salz dieser Salinen als besonders hochwertig. Wir kaufen uns später davon einen kleinen Vorrat in einem Souveniergeschäft.

Das Meer etwas nördlich der Salinen. Noch ein wenig weiter im Norden liegt Los Hervideros. Blick vom Aussichtspunkt Las Hoyas zu den Salinenfeldern von Janubio.

Einen im Reiseführer beschriebenen Aussichtspunkt fahren wir noch an: den 450 Meter hoch gelegenen Balcón de Femés. Unserer Meinung nach ist das kein so großartiger Punkt, den man wegen der Aussicht extra ansteuern muss. Vielleicht war die Sicht auch nicht klar genug, denn man soll von hier bis nach Fuerteventura blicken (OK, das konnten wir auch) und die Dünen bei Corralejo erkennen können (naja, vielleicht die Umrisse, siehe Foto).

Für Wanderer mag der schön restaurierte Ort mit seinem weißen Kirchlein Ermita de San Marcial de Rubicón der Ausgangspunkt für eine Tour auf den 608 Meter hohen Atalaya de Femés sein. Hinter der Kirche findet man den Friedhof und dort beginnt auch der Aufstieg.

Wie dem auch sei – unser Tag neigt sich dem Ende, die Sonne sinkt ins Meer und wir freuen uns schon wieder auf den kommenden Tag: Höllenpark, Kamelritt und Weinprobe.

Balcon de Fermés. Der Blick Richtung Fuerteventura zeigt dessen Umrisse. Die überblickte Ebene auf Lanzarote heißt El Rubicón. Nebengebäude der Kirche Ermita de San Marcial de Rubicón.